Mit einem 24:24(10:14) unentschieden trennten sich die Herren des TSV Birkenau und der HSG Walzbachtal in einem umkämpften Verbandsligspiel. Die Gäste feierten den Punkt nach Abpfiff wie einen Sieg, während die Falken mit konsternierter Mine auf der Platte standen. Acht Sekunden vor Ende hatten die Gäste den Treffer zum Ausgleich erzielt. Doch der Reihe nach.
Birkenau startete in der Abwehr stabil, ermöglichte dem Gegner keine hochkarätigen Chancen und hatte mit dem sehr gut aufgelegten Patrick Samardzic einen starken Rückhalt. Das 3:3(10.) spiegelte den harten Kampf bereits wieder. Walzbachtal nahm von Beginn an Falken-Spielmacher Hirsch in Manndeckung und so war es vor allem Aljoscha Halilovic, der mit Durchbrüchen seine Farben auf die Anzeigetafel brachte. In der Folge wich der TSV von diesem Gameplan ab und suchte ohne Not in Würfen aus dem Rückraum den Erfolg. Das nutzte der Gast und erhöhte auf 4:6(14.). Zeit für eine Auszeit der Heimmannschaft, um an die Stärken zu erinnern. Doch leider fiel die Spannung auch auf allen anderen Positionen und so reihten sich Ballverluste im Gegenstoß an vergebene Chancen von den Außenpositionen. Beim 6:10(20.) hatten die Gäste klar das Momentum auf ihrer Seite und die Falken zeigten bis zur Halbzeitpause kein wirkliches Aufbäumen. Das 10:14 war die Quittung. „Wir haben einfach auf jeder Position und auch im Spiel immer die selben Baustellen. Nach einer guten Aktion fällt bei uns jeder in eine Art Zufriedenheit und liefert danach zwei Nachlässigkeiten, dann wird’s halt schwer das zu kompensieren“, schildert Trainer Pohl seine Gemütslage zur Pause. „Ich habe nochmal daran erinnert wie wir spielen wollen und das jeder in seinen Aktionen auch Verantwortung für den Erfolg Mannschaft trägt“, schildert er weiter die Ansprache in der Pause.
Die schien die Spieler erreicht zu haben. Walzbachtal brauchte über zehn Minuten, um das erste Tor zu erzielen. In dieser Zeit hätten die Falken bereits sechs Mal zugeschlagen und sich seit langem die Führung beim 16:14(41.) zurückerobert. Auch eine Auszeit stoppte den Flow nicht und Birkenau erspielte sich in Summe einen 10:1-Lauf zum 20:15(45.). Leider konnte der TSV dieses Feuer nicht am brennen halten. In Überzahl kamen die Gäste beim 21:19(48.) wieder in Schlagdistanz. Nach sieben Minuten ohne Tor zog Trainer Pohl die Timeout um seine Schützlinge nochmal einzustellen und die zwei Tore Führung weiter auszubauen. Der in der zweiten Halbzeit starke Halilovic erhöhte postwendend auf 22:19(53.). Als beide Teams einen Spieler auf der Strafbank sitzen hatten, baute Ronny Unger den Vorsprung auf 24:20(57.) aus und brachte den TSV vermeintlich auf die Siegerstraße. Zwei schnelle Treffer der Gäste zum 24:22 (58.) machten das Spiel dann aber wieder spannend. Jonas Böhm hatte die Möglichkeit per Strafwurf zu entscheiden, doch der Gästekeeper parierte. Im direkten Gegenzug schlug Walzbachtal erneut zu verkürzte auf 24:23(59.). „Es ist dann so wie letztes Woche in Bruchsal, wenn du in der Crunchtime keine Tore machst, dann gewinnst du keine Spiele“, schildert Pohl die letzte Parade des Gästekeepers. Amon Borkenstein zeigte wie es besser geht und übernahm Verantwortung. Acht Sekunden vor dem Ende tankte sich der Rückraumspieler entschlossen durch die Birkenauer Abwehr und erzielte mit seinem Treffer zum 24:24 den umjubelten Ausgleich für die Gäste. Der letzte Angriff der Falken verpuffte anschließend ohne klare Abschlusschance, sodass es beim aus Birkenauer Sicht bitteren Remis blieb.
Unterm Strich fühlte sich der Punkt für die Hausherren wie eine Niederlage an. Nach einer starken Phase zu Beginn der zweiten Halbzeit und einer Vier-Tore-Führung kurz vor Schluss verpasste es der TSV, den Sack zuzumachen. Zu viele vergebene Chancen, insbesondere vom Siebenmeterpunkt und von den Außen, sowie fehlende Konsequenz in der Schlussphase kosteten den möglichen Heimsieg. „Wir zeigen, dass wir es können, aber wir schaffen es noch nicht, über 60 Minuten konstant und clever zu bleiben“, fasste Trainer Pohl nach dem Spiel zusammen. „Das ist extrem ärgerlich, weil wir uns mit der Leistung in der zweiten Halbzeit eigentlich belohnen müssen.“
So bleibt für die Falken nach einem intensiven Verbandsligspiel die Erkenntnis, dass ein Punkt besser ist als keiner – sich dieser aber angesichts des Spielverlaufs nur schwer wie ein Erfolg anfühlt. Die Gäste aus Walzbachtal hingegen feierten den späten Ausgleich zurecht wie einen kleinen Sieg.

