Ist das noch Verbandsliga oder schon großes Handball-Spektakel auf einer ganz anderen Bühne? 1108 Zuschauer verwandeln die Birkenauer Langenberghalle in einen brodelnden Hexenkessel, in dem wirklich jeder Platz belegt ist und die Fans dicht gedrängt auf Treppen und Empore stehen – eine Kulisse, die in dieser Liga kaum zu toppen ist und sofort die Frage aufwirft: Weltrekord für die 6. Liga?
Und mittendrin liefern die Falken des TSV Birkenau ein Derby für die Geschichtsbücher:
Ein dramatischer 30:29 (15:14)-Sieg gegen die HSG Weschnitztal in einem Spiel voller Emotionen, Tempo und purer Dramatik.
VOLLGAS VON BEGINN AN
Schon beim Einlaufen ist die Atmosphäre kaum zu beschreiben, denn die Halle kocht und treibt beide Teams von der ersten Sekunde an nach vorne. Die Falken setzen im Angriff auf David-Denny Hirsch, der mit Übersicht, Spielwitz und starken Entscheidungen das Tempo bestimmt und seine Mitspieler immer wieder perfekt in Szene setzt, während Patrik Samardzic im Tor früh wichtige Paraden beisteuert. Weschnitztal hält jedoch mit hohem Tempo, viel Druck und starken Rückraumaktionen dagegen, sodass sich ein völlig offener Schlagabtausch entwickelt, der bis zur Pause keinen klaren Favoriten zulässt.

MINUTE 28: DER SCHOCKMOMENT
Beim Stand von 13:13 passiert dann das, was niemand sehen will. Marco Jöst wird im Sprung gestoßen, verliert die Kontrolle und stürzt unglücklich auf den Ellenbogen. Von einer Sekunde auf die andere verstummt die Halle komplett. Spieler reagieren sofort und schieben eine Matte als Sichtschutz aufs Feld, während Ärzte aus dem Publikum zur Hilfe eilen. Der Ellenbogen wird noch in der Halle wieder eingerenkt, doch der Abtransport ins Krankenhaus dauert über 20 Minuten, in denen die gesamte Halle fassungslos und still bleibt. Die erste Entwarnung folgt in der Nacht: nichts gebrochen – die genaue Diagnose steht noch aus.

„FÜR MARCO!“
Mit einer knappen 15:14-Führung für die Falken geht es in die Halbzeitpause, in der der Schockmoment alles überschattet, aber auch neue Energie freisetzt. Die klare Ansage lautet: Dieser Sieg soll für Marco geholt werden. Trotz Manndeckung gegen Hirsch bricht Birkenau nicht ein, weil andere Spieler plötzlich in die Verantwortung gehen, das Spiel clever verteilen und im Kollektiv Lösungen finden.
SAMARDZIC UND BÖHM ALS MATCHWINNER
Jonas Böhm bleibt mit 7 Toren bei 8 Versuchen absolut nervenstark und trifft genau dann, wenn es darauf ankommt. Noch entscheidender ist jedoch Patrik Samardzic, der mit 16 Paraden zum überragenden Rückhalt wird und die Gäste in den entscheidenden Momenten mehrfach verzweifeln lässt.
DRAMATIK BIS ZUM SCHLUSS
Als Weschnitztal in der Schlussphase auf 28:27 verkürzt, steht das Derby komplett auf der Kippe und die Halle kennt kein Halten mehr. Doch die Falken behalten die Nerven: Böhm trifft sicher vom Punkt, Samardzic pariert entscheidend – und bringt den knappen Vorsprung über die Zeit. Der letzte Treffer der Gäste in der Schlusssekunde ändert nichts mehr am umjubelten Heimsieg.
JUBEL MIT WERMUTSTROPFEN
Nach dem Abpfiff feiern die Falken gemeinsam mit ihren Fans eine emotionale Derby-Party, die Halle bebt bei der Humba und die Erleichterung ist riesig. Trotz aller Freude sind die Gedanken immer wieder bei Marco Jöst, der jedoch am späteren Abend schon wieder zur Mannschaft stößt. – mit dem Arm in der Schlinge, aber mitten im Team.

FAZIT: EIN ABEND FÜR DIE EWIGKEIT
Rekordkulisse, Derby-Sieg, pure Emotionen und ein Team, das in der entscheidenden Phase zusammensteht – dieser Abend hat alles geboten, was Handball ausmacht. Oder wie es Trainer Stefan Pohl zusammenfasst: „Das war einfach Wahnsinn.“



